Bericht im Limmattaler Tagblatt vom 14.04.2005
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Nach Kenia die Südost-Türkei
Aesch/Birmensdorf/Uitikon Hilfsprojekt der katholischen Pfarrei für orthodoxe Christen
Die katholische Pfarrei Aesch-Birmensdorf-Uitikon lanciert ein neues Hilfsprojekt: Mit Spenden und Kollekten unterstützt sie die Rückkehr von orthodoxen Christen aus Mitteleuropa in deren alte Heimat, die Südost-Türkei.
MATTHIAS KESSLER
as
neue Hilfsprojekt der katholischen Pfarrei Aesch-Birmensdorf-Uitikon hat einen
traurigen historischen Hintergrund:‘ In den 1970er- und 1980er-Jahren wanderten
viele in der Südost-Türkei lebende Christen der «assyrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien» nach Mittel- und Nordeuropa aus, weil sie in ihrer Heimat keine
Zukunft mehr sahen. Wie Kurt Wolf vom Pfarreirat Aesch-Birmensdorf-Uitikon
festhält, habe die türkische Regierung damals gemässigte Kurden mit Waffen für
den Kampf gegen Rebellen der PKK, der Arbeiterpartei Kurdistans, unterstützt.
Daraufhin hätten sich diese gemässigten Kurden in Dörfern der Ost-Türkei, unter
anderem in Kafro niedergelassen, was zur Auswanderungswelle unter der
christlichen Bevölkerung geführt habe.
Als die türkische Regierung viele Jahre später, im Jahr 2000, den Beitritt in die Europäische Union als Ziel formulierte, stellte die EU-Zentrale in Brüssel verschiedene Forderungen an die Türkei, unter anderem die Anerkennung religiöser Minderheiten. Am 12. Juni2001 erlaubte der damalige türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit in diesem Zusammenhang per Gesetz die Rückkehr der Christen in die Ost-Türkei.
Das Dorf Kafro im Land des «TurAbdin»
In der Folge nahm der Erzbischof eines Klosters im osttürkischen Mardin mit den Ausgewandeten Kontakt auf und startete ein Pilotprojekt, das zur Rückkehr ermutigen sollte - zur Rückkehr ins Dorf Kafro, in die Landschaft des «Tur Abdin», des «Berges der Knechte Gottes». 15 Familien - darunter 21 Personen aus der Schweiz - entschieden sich, selbst den Bau von Häusern zu finanzieren, in denen zwei bis drei Familien-generationen Platz finden werden. Im Sommer 2003 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, im März 2005 waren 14 Häuser aus weissem Kalkstein im Rohbau fertig gestellt.
An diesem Punkt soll nun die Hilfe, die der Pfarreirat der Pfarrei Aesch-Birmensdorf-Uitikon in den kommenden Jahren der Einwohnerschaft von Kafro zukommen lassen will, einsetzen. Wie Pfarreirat Wolf ausführt, seien in der Südost-Türkei in letzter Zeit nicht nur die Baukosten gestiegen. Auch die Infrastruktur würde teurer ausfallen als geplant weil der türkische Staat beispielsweise den Strom nur bis an den Dorfrand heranführe, die unterirdische Verteilung bis zu den Häusern von der Einwohnerschaft getragen werden müsse.
Dringend
werde in Kafro derzeit aber insbesondere Geld zur Sicherstellung der
Wasserversorgung benötigt, stellt Wolf klar. Denn die ersten Familien würden
ihre Häuser bereits im August beziehen. Zu diesen «Pionieren» gehörten auch
Atiye und Yahko Demir aus dem zürcherischen Trüllikon. Yahko Demir sei 1977 als
24-Jähriger in die Schweiz gekommen und präsidiere nun den Entwicklungsverein
Kafro. «Sein Sohn wird künftig unser Ansprechpartner sein», ergänzt Peter Rost,
Teamleiter des Projekts innerhalb des Pfarreirats der Pfarrei
Aesch-Birmensdorf-Uitikon. Dank dieser direkten Verbindung habe man Gewähr, dass
das gesammelte Geld richtig und sinnvoll verwendet und die Rechnung «nach
schweizerischen Standard» geführt werde.
Rückkehr
Atiye und Yahlw Demir werden ihr Haus in Kafro
voraussichtlich im kommenden August beziehen
Unterstützung während fünf Jahren
Auf das Projekt wurde Rost durch den österreichischen Theologen Hans Hollerweger aufmerksam, der sich schon länger mit dem Thema Christen in der Ost-Türkei beschäftigt. Als es im Pfarreirat darum gegangen sei, nach dem erfolgreichen Kenia-Projekt (LT vom 3. März) ein neues unterstützenswertes Projekt zu finden, habe er diese Idee in die Diskussion eingebracht, erklärte er. Nun würden in verschiedenen Gottesdiensten in Birmensdorf und Uitikon Kollekten für «Tur Abdin» gesammelt; dazu könnten Spenden auch per Einzahlungsschein getätigt werden.
„Wir engagieren uns für eine Aktion in der Regel während mindestens fünf Jahren“, sagt Rost zum Zeithorizont der Unterstützung. Wichtig sei die nachhaltige Wirkung der Projekte; der Pfarreirat wähle sie unter diesem Aspekt aus, betreue sie auch über das Ende hinaus. So würden noch heute gute Beziehungen in die Ost-Slowakei gepflegt, wo sich die Pfarrei vor zehn Jahren zu engagieren begonnen habe.